Nachhaltigkeit & Umweltschutz Unser Bienenprojekt im Vju Gutes für Natur und Mensch

Mit dem Bienenprojekt der Imkerei Baumgarten engagiert sich das Vju Hotel Rügen für die Artenvielfalt im Ostseebad Göhren und freut sich über den ersten eigenen Honig.

Seit dem 7. Oktober 2020 steht auf dem Parkgrundstück vom Vju Hotel Rügen im Ostseebad Göhren ein Bienenstock. Den eher unscheinbaren braunen Kasten hat Marco Baumgarten an diesem sonnigen Herbsttag aufgestellt. Ein wenig abseits, am Rand des Hotelgrundstücks und mit direktem Anschluss an die Wiesen vom Nordperd. Der perfekte Platz für sein Bienenvolk und gerade noch rechtzeitig, bevor die Tage frostig werden, findet Marco.

Marco Baumgarten ist Imker. Er betreibt zusammen mit seiner Frau die „Mönchguter Imkerei“ im Örtchen Gager, mitten im Biosphärenreservat Südost-Rügen. Aus dem anfänglichen Hobby der beiden entstand 2010 der eigene Imkerbetrieb. Baumgartens Völker stehen mittlerweile nicht nur auf der Halbinsel Mönchgut, sondern sind auch über den östlichen Teil der Insel Rügen bis nach Bergen verteilt.

So sehen Bienehäuser aus.
Die Bienenkisten der Imkerei Baumgarten auf dem Hotelgelände vom Vju.

Wie kam das Vju Hotel Rügen zu seinen Bienen?

Im Jahr 2019 hat Familie Baumgarten ein Pilotprojekt ins Leben gerufen. Sie vermieten ihre Bienenvölker und betreuen die Bienenstöcke an den verschiedenen Standorten das ganze Jahr über. Mit der Initiative „Helfen Sie den Bienen – Bienenvölker mieten mit Imker“ wendet sich Imker Baumgarten ganz bewusst an Einheimische, Gemeinden und Hotelbetriebe der Gegend. Ziel ist es, eine flächendeckende, nachhaltige Bienenhaltung und den Aufbau eines Bestäubungsnetzwerkes auf der Halbinsel Mönchgut aufzubauen. Damit sollen nicht nur neue Wege zur stabilen Bienenhaltung gefunden werden, sondern auch die Artenvielfalt erhalten werden.

Luftbildaufnahme der Halbinsel Mönchgut
Die Halbinsel Mönchgut liegt mitten im Biosphärenreservat Südost-Rügen. © Mirko Boy

Warum sind Bienen so wichtig?

Familie Baumgarten wird oft gefragt, wie sie auf diese Idee kam. Die Antwort ist recht einfach: Aus Liebe zu ihrer Heimat und zur einmaligen Natur- und Kulturlandschaft im Biosphärenreservat Südost-Rügen. Denn Bienen spielen eine zentrale Rolle im Erhalt unseres Ökosystems. Sie zählen zu den wichtigsten Bestäubern in der Kultur- und Landwirtschaft. In einem Radius von 2 bis 5 km sorgen sie für die Befruchtung von Bäumen, Kräutern, Blumen und natürlich auch von Gemüsepflanzen. Insgesamt bestäuben Bienen über 80 % aller Wild- und Nutzpflanzen. Eine enorme Leistung.

Leider stirbt seit Jahren weltweit ein Großteil der Bienenpopulationen. Die Ursachen sind vielfältig. Krankheitserreger, die industrielle Landwirtschaft mit ihren Pestizideinsätzen und Monokulturen, das Wegbrechen von Lebensräumen sowie Luftverschmutzung werden als mögliche Gründe aufgelistet. Familie Baumgarten sorgt mit ihrem Projekt, viel Engagement und der langjährigen Imkererfahrung für den Fortbestand der Honigbienen hier auf Rügen und trägt damit zur Artenvielfalt in unserem Biosphärenreservat bei.

Bienenstock wird aufgestellt
Familie Baumgarten platziert im Herbst 2020 die Bienenkisten.

Das Aufstellen der Bienenkiste

Zum Aufstellen eines Bienenstocks eignet sich der Herbst am besten. Aufgrund der kühleren Witterung ist das Flugverhalten der Bienen eingeschränkt. Sie lassen sich gut transportieren und gewöhnen sich schneller an ihr neues Fluggebiet. Im Winter leben ungefähr 10.000 bis 15.000 Bienen in einem Volk. Honigbienen sind wechselwarme Tiere und somit abhängig von der Außentemperatur. Bei Temperaturen unter 10 Grad bilden sie eine „Wintertraube“ und wärmen sich gegenseitig. Mit den ersten warmen Tagen im Jahr beginnt die „Bienensaison“. Die Bienen verlassen ihren Stock zum sogenannten Reinigungsflug. Dann ist auch für Familie Baumgarten der Zeitpunkt gekommen, um nach ihren Völkern zu sehen.

Imker kontrolliert Bienen
Imker Baumgarten kontrolliert seine fleißigen Bienen.

Die Statusaufnahme im Bienenstock

„Der erste Schritt ins neue Bienenjahr ist eine Statusaufnahme“, sagt Marco Baumgarten. Der zweite Schritt besteht darin, den „Totenfall“ im Volk zu beseitigen, um Krankheitskeime zu verhindern. „In schlechten Jahren sterben im Winter so viele Bienen, dass die lebenden Bienen im Frühling nicht zur Reinigung ausfliegen können, da zu viele tote Bienen vor dem Flugloch liegen“, erklärt der Imker.

Anschließend beurteilt er auf Grund des „Gemüllefalls“ die Volkstärke und die Anzahl der Wabengassen. Das gibt einen ersten Hinweis darauf, ob die Völker im Sommer Honig produzieren werden oder nicht. Zu dieser Zeit im Jahr haben die Völker noch keine oder nur sehr wenig Brut. Die Frage, ob die Bienenkönigin den Winter gut überstanden hat oder nicht, kann noch nicht beantwortet werden. Dazu fehlen größere Brutflächen mit unterschiedlichen Brutstadien, die die Leistungsfähigkeit der Königin beurteilbar machen.

Der Beginn der Bienenführung

Nachdem die Natur den Bienen die ersten Pollen bietet, beginnt die Bienenführung. Hierbei handelt es sich um Maßnahmen des Imkers für die optimale Entwicklung des Volkes. Als erstes wird der Brutraum im Bienenkasten auf die Anzahl der Bienen angepasst. Nur wenn die Bienen es schaffen, die Waben auf 36 Grad aufzuwärmen, beginnt die Königin Eier zu legen. Aus diesem Grund wird ein „Trennschied“ in den Bienenstock eingesetzt. Dieser lässt den Bienen nur genau so viel Raum wie sie wärmen können.

Sobald es zu einem kontinuierlichen Bienenflug kommt, kontrolliert Familie Baumgarten, ob die Bienen noch genug Winterfutter haben, um ihre Brut zu ernähren. Zu diesem Zeitpunkt spendet die Natur noch nicht genug Grundnahrung, den Nektar, sondern in erster Linie Pollen. Wenn die Völker sich entwickeln, steigt der Futterbedarf schnell auf 4 bis 8 Kilo pro Monat. Da die Bienen nicht auf ihre Honigproduktion aus dem letzten Jahr zurückgreifen können, unterstütz Marco Baumgarten seine Völker mit einer speziellen Nahrungsmischung.

Imker im Schutzanzug an der Bienenkiste
Imker Marko Baumgarten hat mit der „Bienenführung“ begonnen.

Wann beginnt das Brutgeschehen?

Im April, je nach Witterungsbedingungen, beginnt das Brutgeschehen im Bienenstock. Sobald die Pflanzen Nektar produzieren, beginnen die Königinnen große Brutflächen anzulegen. Dabei sorgt der Pollen als Eiweißspender für gesunde und vitale Jungbienen. Am Anfang geht die Volksstärke noch etwas zurück. Die überwinterten Bienen verbrauchen sich bei der Brutpflege und sterben. In dem Augenblick, wo mehr Jungbienen schlüpfen als Altbienen sterben, kommt der große Umschwung im Volk. Der Imker nennt das „Durchlenzung“. Die Völker werden ab diesem Zeitpunkt stärker und explodieren im Mai. Die Entwicklung vom Ei bis zur Jungbiene dauert 21 Tage. Pro Brutwabe schlüpfen dann knapp 10.000 Bienen und die Volksstärke steigt dann bis auf 60.000 Bienen an.

Um das Brutgeschehen anzuregen, fährt Familie Baumgarten ihre Völker in dieser Zeit zweimal wöchentlich an. Mit ihrer Nahrungsmischung sorgen sie für einen kontinuierlichen Futterstrom für das Brutgeschehen. „Wir hier im Norden betreiben eine Frühtrachtimkerei“, sagt Imker Baumgarten. Da die Sommer im Norden oft sehr trocken sind, müssen 2/3 des Honigs im Frühjahr erwirtschaftet werden.

Brutwabe mit Bienenkönigin
Imker Baumgarten kontrolliert die Brutwaben mit der Bienenkönigin.

Wie vermehren sich Bienen?

Mit dem Wachsen der Völker und dem zunehmenden Nahrungsangebot in der Natur erwacht der Geschlechtstrieb der Bienen. Da Bienenvölker in der meisten Zeit des Jahres ein reiner Frauenstaat sind, brauchen sie jetzt die sonst „überflüssigen“ männlichen Bienen zur Paarung. Jedes Volk entwickelt ungefähr 4000 – 6000 männliche Bienen, die Drohnen. Diese Anzahl ist ausreichend, um in der Vermehrungszeit (Schwarmzeit) die dann geschlüpften Jungköniginnen zu begatten.

Deshalb platziert Imker Baumgarten einen neuen Baurahmen im Stock. Dabei handelt es sich um eine leere Wabe zum freien Ausbau. Dieser wird benötigt, da die Waben für die Drohnenbrut größer sind als die der Arbeiterinnenbrut. Der Termin der Baurahmengabe spielt eine wichtige Rolle für die Vermehrung der Königinnen. Die Brutzeit einer Drohne beträgt 24 Tage. Nach dem Schlüpfen benötigen die männlichen Immen noch 3 Wochen bis zur Geschlechtsreife. Damit in der natürlichen Vermehrungszeit Mai und Juni genug geschlechtsreife Drohnen vorhanden sind, wird der Baurahmen 6 Wochen vorher eingesetzt.

Wann beginnt die Honigproduktion?

Nach der Baurahmengabe steht jetzt die Produktion von Honig an. Mit dem Erstarken der Völker und der stetig zunehmenden Nahrungszufuhr wird es nun zu eng in der „Kiste“. Dann ist es Zeit, den ersten Honigraum zu geben. Als Honigraum wird eine Vorrichtung bezeichnet, die auf dem oberen Teil der Bienenkiste platziert wird. Hier können die Bienen nun ihren Honigvorrat anlegen. Auch hier ist das Fingerspitzengefühl und die Erfahrung des Imkers gefragt, erklärt Marco Baumgarten. Je nach Stärke des Volkes, dem Zustand der Vegetation und der Wettervorhersage muss der richtige Zeitpunkt ausgewählt werden. Wenn alles passt, steht der Honigproduktion nun nichts mehr im Weg.

Beschriftung der Honiggläser
Diese Etiketten kommen auf unseren ersten eigenen Honig.

Wann gibt es den ersten Vju-Honig

Baumgartens verstehen ihr Handwerk! Dass es den Vju-Bienen auf dem Hotelgrundstück gefällt, erfuhr Verkaufs- und Marketingdirektorin Christine Zarges am 15. Juli 2021. Marco Baumgarten kündigte die Lieferung von 15 kg Honig aus dem Vju-Bienenstock an. 

 „Als Haus mit Standort mitten im Biosphärenreservat und als Partner des Netzwerkes Biosphärenreservat Südost Rügen war es uns eine Herzensangelegenheit, das Projekt der Imkerei Baumgarten zu unterstützen. Nun auch unseren eigenen Honig geliefert zu bekommen, ist einfach prima“, freut sich Christine Zarges.

Die ersten 100 Gläser mit dem „Rügener Bienenhonig“ aus dem Bienenstock vom Vju Hotel finden Gäste des Hauses nun bald im Hotelshop.

Sind Bienen gefährlich?

Das Bienenprojekt im Ostseebad Göhren sorgt nicht nur bei den Hotelgästen für positive Resonanz. Auch die Mitarbeiter des Vju Hotels Rügen sind vom Projekt begeistert. Der Bienenstock kann jederzeit besichtigt werden. Hier kann man ganz entspannt das Ein- und Ausfliegen der Bienen beobachten und natürlich dem Brummen des Schwarms zuhören.

Bienenschwärme sind grundsätzlich nicht gefährlich. Bienen sind entspannte Pollensammler und ernähren sich ausschließlich vegetarisch.

Im Gegensatz zu Wespen können Bienen ihren Stachel nur einmal benutzen. Dabei bewirkt ein Widerhaken, dass der Stachel stecken bleibt. Beim Versuch der Biene den Stachel herauszuziehen wird ein Teil ihres Hinterleibes abgetrennt, was zum Tod des Tieres führt. Bienen stechen deshalb nur, wenn sie ihren Bienenstock vor Honig- und Bruträubern schützen. Deshalb empfiehlt es sich etwas Abstand von der Bienenkiste zu halten und die Tiere nicht zu stören. Sollte man doch einmal gestochen werden, entfernt man den Stachel am besten mit einer Pinzette und kühlt den Stich so schnell wie möglich.

Nachhaltigkeitsprojekte im Vju

Neben unseren Vju-Bienen beteiligt sich das Vju Hotel Rügen an verschiedenen weiteren Nachhaltigkeitsprojekten. Eine Übersicht finden Sie hier.